Die Erinnerung an mein eines SELBST

Als kleines Kind war ich mit Dir verbunden.
Ich habe bei Dir Trost gesucht – und ihn gefunden. Ich habe um Hilfe gebeten und den Frieden erfahren, den Du mir geschenkt hast. Es war das Natürlichste der Welt.


Doch dann begann sich mein Blick zu verändern. Die Welt der Formen gewann an Bedeutung, und ich suchte Trost, Freude und Frieden zunehmend im Außen – in Dingen, Menschen und Umständen.

Ich vergaß, dass all das, wonach ich suchte, immer bei Dir gewesen ist.

 

Heute erinnere ich mich: Du warst nie weg.

Heute kehre ich diesen Prozess um, von meinen Vorstellungen zurück zur Wahrheit! 


Ich beginne zu erkennen, was aus meinem einst so reinen Geist entstanden ist, mit dem ich verbunden war.

Durch einen einzigen Irrglauben hat sich eine ganze Welt aufgebaut – der Glaube an Trennung. Die Vorstellung, ich könnte getrennt sein von meiner Quelle, von Gott, von der Liebe, von Dir.
Dieser Gedanke ließ mich glauben, ich sei ein Körper. Eine Persönlichkeit. Eine Geschichte.
Was für eine Welt daraus entstanden ist.


Ein Wahnsinn, was der Geist, der so unvorstellbar machtvoll ist, erschaffen kann: eine Welt voller Konflikte und Frieden, Schmerz und Freude, Leid und kurzen Momenten von Glück – immer vergänglich, niemals wirklich beständig. Alles geboren aus der Idee der Trennung.
Und doch liegt darin ein Paradox:
In dem Moment, in dem die Idee der Trennung gedacht wurde, war sie bereits geheilt. Sie hat in Wahrheit nie stattgefunden!
Mein wahres Selbst war nie getrennt von seinem Ursprung. So wie ein Sonnenstrahl sich nicht von der Sonne trennen kann.
Und dennoch besitzt der Geist die Fähigkeit, sich genau das vorzustellen.
Er kann sich als Körper erfahren. Er kann sich eine Welt erschaffen – mit allem, was darin geschieht.
Die Welt, die ich wahrnehme, existiert nur in meinem Geist.
 Und solange ich daran glaube, ist sie für mich real.
Mein eines Selbst, das sich scheinbar in unzählige Figuren aufgespalten hat, bleibt jedoch von der Idee der Trennung unberührt: Es ist vollkommen, ganz und ewig. Es kennt keine Veränderung.
 

Nur das selbst, für das ich mich in dieser Welt halte, ist ständig im Wandel – geprägt von Unsicherheit, Unbeständigkeit und Ungewissheit.
In einer Welt, in der Erwartungen enttäuscht werden, Vertrauen missbraucht wird und Hoffnungen zerbrechen, ist wahrer Frieden unmöglich.
Und doch ist da etwas in uns, das weiß:
Es muss mehr geben.

So beginnt die Suche.


Oft verlieren wir uns dabei im Außen. Wir suchen dort, wo der Frieden nicht zu finden ist – in Ablenkungen, in Süchten, im Versuch, die Welt zu kontrollieren oder zu verändern. Wir glauben, das Problem liege außerhalb von uns.
Bis ein Moment kommt, der alles verändert.
Vielleicht ist es eine Begegnung. Ein Gespräch. Ein Schicksalsschlag. Ein Buch. Ein einziger Satz.
Etwas erinnert uns. Die Welt, die wir uns vorstellen, bekommt „Risse“.
Nicht in Worten, nicht im Verstand – eher wie ein Gefühl. Fremd und doch vertraut zugleich.


Die Reise nach Innen beginnt.
Zunächst nehmen wir all unsere Vorstellungen mit. Wir versuchen, „unsere Wahrheit“ zu finden. Wir erkennen die vielen Rollen, die wir spielen – und dass sie uns nicht wirklich erfüllen.
Wir erleben Enttäuschungen. Immer wieder.
Und irgendwann erkennen wir: Unsere Erwartungen sind der Schlüssel.
Also versuchen wir, keine Erwartungen mehr zu haben. Wir kämpfen mit uns selbst, wollen alles „richtig“ machen, übernehmen Verantwortung für unseren Frieden.
Und doch bleibt etwas bestehen:
Unser Glück scheint weiterhin abhängig von äußeren Umständen, von Beziehungen, von Situationen.


Wir versuchen, uns zu verändern, damit sich das Außen verändert. Doch auch das führt nicht zur erhofften Freiheit und Frieden.

Die Risse werden größer.
Bis etwas in uns aufbricht.


Jeder Mensch geht diesen Weg auf seine eigene Weise. Denn jeder bringt seine eigene Geschichte, seine Prägungen, Überzeugungen und Erfahrungen mit.
Und doch sind wir in einem zutiefst verbunden:
Im einen Geist.
Im einen Selbst.


Wir nehmen scheinbar alle dieselbe Welt wahr – und doch erlebt jeder sie durch seine eigene Perspektive, seine eigene „Figur“ im gemeinsamen Traum.


Wenn bei einem Menschen diese geistige „Blase“ platzt, geschieht etwas Bedeutendes.
Es kommt Licht hinein – nicht nur für ihn selbst, sondern für das Ganze.
Denn Geister sind verbunden und wir fangen an uns zu erinnern, wer wir wirklich sind.
Wie bei einer Geburt platzt eine Hülle. Etwas Neues beginnt – oder besser gesagt: Etwas, das immer da war, wird bewusst.

Wir werden Dir, dem einem Selbst wieder bewusst.
Eine geistige Geburt findet statt.

Der Widerstand, mich selbst in Dir, mein eines Selbst, fallen zu lassen, ist spürbar.
Meine Vorstellungen von mir selbst und von der Welt loszulassen, fühlt sich schmerzhaft an – auch wenn ich beginne zu ahnen, dass genau diese Vorstellungen die Ursache meines Leidens sind.
Eine Umkehr in meine alte vorgestellte Welt ist von nunan unmöglich. Die Momente, in denen ich mich mit Dir verbunden fühle, vermehren sich, füllen mein Herz mit der Wahrheit, lassen mich die LIEBE spüren, dessen Ursprung ich bin.
Und doch greife ich aus Gewohnheit immer wieder nach den alten Resten. Ein Teil von mir will Recht behalten, will sich festhalten an dem, was vertraut ist. Ich bilde mir ein, dort Sicherheit zu finden – in einer Welt, von der ich gleichzeitig weiß, dass sie nur in meinem Geist existiert.


Diese alte Welt schreit nach Erlösung.
Es ist ein Ruf nach Liebe.


Und ich stehe immer wieder davor und merke:
Ich weiß nicht, wie es geht.
Dieses ehrliche Nichtwissen wird zu einem Wendepunkt.
Das stetige Erinnern an die Wahrheit – an mein eines Selbst, das ich bin – hilft mir zu erkennen, dass all meine Vorstellungen Illusionen sind. Ich habe sie vor die Wahrheit gestellt und sie dadurch wirklich erscheinen lassen.


Also bitte ich um Hilfe:
Diese Hilfe kommt von meinem inneren Heiler. In Ein Kurs in Wundern wird er als der Heilige Geist bezeichnet. Die Begriffe, die mich anfangs irritiert haben, verlieren ihre Schwere. Sie werden zu Symbolen, zu Hinweisen – nicht mehr und nicht weniger.

Der Heilige Geist ist für mich der Brückenbauer.
Er verbindet mein altes Denksystem – das Ego – mit dem reinen Geist, mit meinem wahren Denken.

Und so beginne ich, ihn bewusst einzuladen:

Ich bitte darum, dass meine Vorstellungen geheilt werden.
Dass mein Irrglaube korrigiert wird.
Dass ich Wunder empfange.

Ein Wunder ist immer Frieden.

Es ist keine neue, „bessere“ Vorstellung davon, wie die Welt sein sollte. Denn das wäre nur ein weiterer Versuch, die Illusion nach meinen Wünschen zu formen.

Nein.

Ich weiß nichts.

Also lasse ich mich in dieses Gefühl des Friedens sinken. Ich lasse die Vorstellungen los – mit Hilfe dieses inneren Führers. Und ich übe mich in Geduld.

Wenn Ungeduld auftaucht, wenn der Gedanke kommt, dass „es jetzt endlich anders sein sollte“, erkenne ich darin einen alten Gedankenfetzen. Einen, den ich nur deshalb für wirklich halte, weil ich an ihn glaube.
In dem Moment, in dem ich das bemerke, geschieht bereits etwas Entscheidendes.
Ich habe meine einzige Funktion, die ich hier habe, erfüllt:

Vergebung.

Meine Reise nach innen ist in Wahrheit keine Reise.
Es ist ein Erinnern. Ein pfadloser Weg.

Und auf diesem weglosen Weg können spirituelle Lehren hilfreiche Begleiter sein. Ein Kurs in Wundern ist für mich eine solche Lehre geworden – eine Einladung zu einem stillen, ehrlichen Selbststudium, das mich mein wahres Selbst wieder erfahren lässt.

Dieses eine Selbst – die Wahrheit, die ich bin – erfahre ich immer dann, wenn ich mit dem reinen Geist verbunden bin, mit der Liebe.

Und ich erkenne auch das Gegenteil:

Wenn Sorge, Angst oder Groll in mir auftauchen, weiß ich, dass ich mich wieder an einen Gedanken des Ego-Denksystems klammere – an etwas, das in Wahrheit nicht existiert.

Dann kann ich innehalten und sogar dankbar sein.
Dankbar dafür, dass sich dieser Gedanke zeigt – und damit die Möglichkeit, dass er geheilt werden kann.

Mit Hilfe meines inneren Heilers.

Wenn sich stattdessen Frieden und Freude einstellen, weiß ich:
Mein wahres Selbst hat mir geantwortet.

Noch einmal zu Erinnerung, das ist Vergebung:
Ich übergebe meine Gedanken der Angst, meine Urteile, meine Vorstellungen – all das, was trennt – und bitte:

Zeige mir Deine Sicht.
Ich wähle stattdessen den Frieden.
Lass hier ein Wunder geschehen.
Danke, dass ich Zeuge der Heilung bin.

Ich muss nicht wissen, wie die Heilung funktioniert oder die Heilung in der Welt sich zeigt.

Ich brauche nur dem Gefühl vertrauen, das sich sofort einstellt, wenn die Antwort von meinem einen Selbst durch den Heiligen Geist zu mir kommt und das ist immer FRIEDEN!

Und am Ende bleibt nur noch ein Satz:
Gottes Wille geschehe.

 

Kerstin Jensen

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